Sach- und Denkzwänge

Von ​Menschen im Hamsterrad höre ich oft: «Ich kann nicht!» Ihr Denken lässt kaum Alternativen zu, sie werden von den Sach- und Denkzwängen beherrscht. Aber wenn es keine Alternativen gibt, dann macht das Nachdenken über die eigene Person und die derzeitige Situation keinen Sinn. Der Zustand von Menschen im Hamsterrad kommt in diesem Sinne einer Betäubung hinsichtlich der Beschäftigung mit sich selbst gleich.

Bestehende zeitliche Freiräume werden sofort geschlossen, denn solche könnten zu unangenehmen Gedanken über die aktuelle Situation und über die Befindlichkeit der eigenen Person führen. Anstelle der kritischen Selbstreflexion stürzen sich die Menschen noch mehr in die Berufsarbeit oder aber sie lenken sich durch Konsum- bzw. Kauferlebnisse ab. Letztere füllen nicht nur zeitliche Freiräume, sondern sind auch ein probates Mittel für die Befriedigung von Lust, Spass und gesellschaftlicher Anerkennung.

Das Schliessen zeitlicher Freiräume mit einem noch stärkeren Engagement in der Berufsarbeit ist nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit, sondern ebenso für die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens, während die Geldausgabe beim Kauferlebnis deutlich länger nachwirkt als die Befriedigung durch den Kauf. Mit der Konsequenz, dass einerseits die Berufsarbeit eine noch grössere Relevanz im Leben bekommt und andererseits das Kauferlebnis als Kompensation der schwierigen persönlichen Situation noch wichtiger wird.

Das Hamsterrad dreht immer schneller. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis der Mensch auf der Strecke bleibt. Dann werden ihm die Alternativen von der Natur aufgezwungen.