Mit dem Tunnelblick

Im derzeitig herrschenden Wirtschaftssystem gilt das Motto: «The winner takes it all!» Schmerzlich müssen dies hunderttausende Arbeitnehmer oder Arbeitslose erfahren. Während sie um Löhne oder um eine Anstellung für eine Verbesserung ihrer Situation kämpfen, bedient sich das Top-Management mit Millionensalären – oft aufgrund von beschönigten und nicht nachhaltigen Unternehmensergebnissen.

Wer möchte nicht in der Lohnpyramide weit oben stehen, angesichts der Tatsache, dass der materielle Erfolg mittlerweile die höchste gesellschaftliche Anerkennung geniesst? Um aber die Chance zu wahren, in der Pyramide oben zu bleiben oder dereinst oben anzukommen, muss die Berufskarriere über alles andere gestellt werden.

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Nun hat diese Fokussierung aber ihren Preis. Zwar besteht durchaus die Möglichkeit, materiell erfolgreich zu sein und gesellschaftliches Ansehen zu bekommen, hingegen geraten die kritische Selbstreflexion sowie die für zwischenmenschliche Beziehungen wichtigen Tugenden immer mehr in den Hintergrund. Mit der Konsequenz, dass nicht nur soziale Beziehungen verkümmern, sondern auch die eigene Gesundheit gefährdet wird. Das allergrösste Problem liegt allerdings darin, dass die Menschen gar nicht erkennen, dass ihre subjektive Welt immer enger wird.

Das kaum hinterfragte Denkmuster, dass mit der Fokussierung auf die Karte «Karriere» sich Glück und Zufriedenheit automatisch einstellen, ist ein grosser Irrtum. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Ereignis wie eine Bombe in das Bewusstsein einschlägt. Danach ist nichts mehr wie vorher.