Die Digitalisierung gehört sowohl bei den Medien wie auch bei der Forschung zu den Topthemen. Nicht gleich verhält es sich bei der Bevölkerung. Bei Umfragen kommen zwar durchaus kritische Stimmen betreffend Privatsphäre und des möglichen Verlustes von Arbeitsplätzen auf, aber im Grossen und Ganzen  kann man durchaus von einer gewissen Gelassenheit sprechen. Möglicherweise hängt dies auch damit zusammen, dass die politische Elite die Digitalisierung eng mit der Wirtschaft verknüpft und den Standpunkt einnimmt, dass bei entsprechender Anpassung, beispielsweise der Infrastruktur, sich viele Chancen eröffnen. Die Politik ist denn auch bemüht, die technischen Grundlagen für die Durchsetzung der Digitalisierung bereitzustellen. Über die Auswirkungen der Digitalisierung hinsichtlich der gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen und ethischen Aspekten erfährt man von der Politik jedoch eher wenig.

October 07, 2019

Vortrag zur Digitalisierung Lions-Club Unterwalden

Die Dimension der Verantwortungslosigkeit seitens der Wirtschaftsakteure, allen voran der Konzerne, ist beispiellos. Die schwerwiegenden Gesellschaftsprobleme lassen sich durch den derzeit herrschenden Wirtschaftsliberalismus nicht lösen, denn er ist Hauptverursacher. Es braucht eine liberale politische Alternative, welche die Verantwortung für das Gemeinwohl nicht an den Markt und Wettbewerb überträgt. Mit dem in der Praxis bewährten Ordoliberalismus gibt es diese.

Digitalisierung ist in aller Munde. Aber um was geht es denn eigentlich? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf unser Leben?

Die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen sowie politischen Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten sind zweifellos aussergewöhnlich und lassen sich nicht wegdiskutieren. Aber es zeigt sich ein Januskopf. Es besteht nicht nur die Gefahr, dass uns wichtige Errungenschaften durch die Hintertüre wieder entgleiten, sondern dass wir darüber hinaus das genuin Menschliche verlieren. Ist die Frage: «Wo stehen wir?» bloss eine Frage der Perspektive?

Was sind die Ursprünge der neoliberalen Wirtschaftspolitik? Was vermag diese zu leisten, was nicht? Was ist die Zukunft dieser beinahe globalen Wirtschaftspolitik?

Wie würden SIE diese Frage beantworten? Ich denke, dass wir bei der Beantwortung dieser Frage höchst unterschiedliche Antworten hören würden. In den letzten Wochen weilte ich in Florenz, in dieser kulturell unglaublich reichen Stadt. Menschen aus aller Welt bestaunen die Kunstwerke der Renaissance, die Geschäfte florieren, die Touristen amüsieren sich – die Einheimischen etwas weniger! – und zu später Stunde gibt es bei den Uffizien sogar manchmal die Gelegenheit, sich von den Klängen von Weltklassegeigern verzaubern zu lassen. Würde ich mich nun darauf beziehen, dass es heute so vielen Menschen wie noch nie zuvor möglich ist, die Kunstschätze in aller Welt bewundern zu können, dann könnte ich heute Abend sagen, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben.

August 17, 2016

Der angesehene Kybernetiker Martin Van Vliet steht nach dem Tod seiner Frau Cécile mit der achtjährigen Lea alleine da. Lea hat seit dem Tod ihrer Mutter die Lebensfreude verloren, ist kaum mehr eines fröhlichen und unbeschwerten Lächelns fähig. Für Van Vliet ist es schwierig zu beurteilen, ob ihn der Verlust seiner Frau mehr trübt als das sichtbare Leiden seiner Tochter. Und dann geschah etwas:

Die vergangenen 250 Jahre haben gezeigt: Nur weil es der Wirtschaft gut geht, geht es der Gesellschaft noch lange nicht gut. Die Elite hält zwar an der Gleichung "unternehmerische Freiheit = Wohlstand" nach wie vor fest. Doch die Unstimmigkeiten werden zunehmend deutlich. Höchste Zeit, neu zu rechnen.

Die Wirtschaftspolitik braucht eine grundlegende Erneuerung

Die Wirtschaftspolitik in den ökonomisch entwickelten Volkswirtschaften basiert auf falschen Annahmen. Die Folge: Sie verfängt sich in Symptombekämpfung und Überregulierung, während die Probleme immer größer werden. Es braucht eine fundamentale wirtschaftspolitische Neuorientierung auf der Grundlage neuer Leitideen: Verhinderung menschlichen Leids und Schutz der menschlichen Autonomie.

Funktionale Spezialisierung wird zum Bumerang für moderne Gesellschaften

Wir erleben eine immer weiter gehende funktionale Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft. Doch hochgradig spezialisierte soziale Systeme entwickeln einen Tunnelblick. Gemeinsames, Übergeordnetes, Zusammenhängendes verliert an Bedeutung: Werte, Gesellschaft, Gemeinwohl. Nur wenn sie die Sprachlosigkeit zwischen den Systemen überwinden, können moderne Gesellschaften ihre Potenziale entfalten.
 

Dramatische wirtschaftsethische Probleme

Im Wirtschaftsgeschehen zeigen sich gravierende moralische Probleme. Die universitären Wirtschaftswissenschaften scheint dies jedoch kaum zu stören – eine systematische Auseinandersetzung mit Wirtschaftsethik ist jedenfalls weit und breit nicht sichtbar. Anders die Berner Fachhochschule: Durch den hohen Stellenwert der Wirtschaftsethik liefert sie wichtige erkenntnisse zum neuen Mandant der Wirtschaft und leistet so einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.

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